Vor 20 Jahren – Hoffnungen einer Parteigründung

Veröffentlicht am 08.05.2009 in Geschichte

Am 7. Mai 1989 wurde der Wahlbetrug in der DDR zum öffentlichen Thema. Die staatlich verordneten Fälschungen bei der Kommunalwahl beschleunigten das Erstarken der Bürgerrechtsbewegung. Umwelt- und Kirchengruppen und schließlich die Gründung der SDP im Oktober 1989 zeigten die Grenzen der SED-Herrschaft.

Am 5. November 1989 konstituierte sich in der Sophienkirche der Berliner
Bezirksverband der SDP. Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten setzten sich auch in Ost-Berlin wieder öffentlich für Freiheit und Demokratie ein. Gemeinsam mit vielen anderen erzwangen sie die ersten freien Wahlen.
Über die Hintergründe der Parteigründung und die damit verbundenen
Hoffnungen diskutierten Thomas Krüger, ehemaliger Geschäftsführer der SDP, später stellvertretender Vorsitzender der SPD Berlin-Ost, Anne-Kathrin Pauk, ehemalige Vorsitzende der SDP, später der SPD Berlin-Ost, und Wolfgang Thierse, ehemaliger Vorsitzender der SPD in der DDR, im Gemeindezentrum der Evangelischen Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde Lichtenberg. Die Moderation hatte Andreas Geisel, Kreisvorsitzender der SPD in Lichtenberg, übernommen.
In seiner Begrüßung freute sich der Präsident des Berliner
Abgeordnetenhauses, Walter Momper, über das Zusammentreffen mit vielen der „Heldinnen und Helden“ von damals, die wie er selbst offensichtlich älter geworden seien, aber politisch nach wie vor frisch. Die Geschichte der Stadt spiegle sich in der Geschichte der SPD wieder. Dass die Stadt bisher so gut habe zusammenwachsen können, sei auch Verdienst der Berliner SPD. Nur diese erreiche relativ gleichmäßige Ergebnisse über die ganze Stadt verteilt. Darauf könne die SPD stolz sein, und vor allem Genossinnen und Genossen im Osten hätten großen Anteil daran. Mit der Erinnerung an die Gründung der SDP
werde gleichzeitig daran erinnert, dass die Menschen in der DDR selbst
gewesen seien, die zu den Veränderungen und schließlich zum Ende der DDR geführt hätten. Hätten sie ihren Staat nicht als Unrechtsstaat begriffen, wäre es nie zur friedlichen Revolution gekommen. Vor 20 Jahre habe niemand daran gedacht, dass nach der Krise des Kommunismus so schnell eine Krise des Kapitalismus komme. Heute bleibe es wichtig, einer wachsenden sozialen Kluft entgegenzuwirken.
Anschließend führte Siegfried Heimann von der Historischen Kommission der SPD in den aus Material der Stasi zusammengeschnittenen Videofilm vom Tag der Gründungsversammlung der SDP Berlin-Ost in der Berliner Sophienkirche am 5. November 1989 ein und erinnerte daran, dass die Parteigründung nicht erst in Schwante begonnen habe. Vielmehr sei sie eingebettet gewesen in die Bürgerrechts- und Oppositionsbewegungen der 1980er Jahre. Noch heute sei es beeindruckend im Film zu sehen, wie die Menschen damals an einem Tisch vor der Sophienkirche Schlange gestanden hätten, um u.a. bei dem Pankower Gründungsmitglied Torsten Hilse, heute Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses, ihren ersten Beitrag zu bezahlen und in die Partei aufgenommen zu werden. Der Film zeige auch, dass – anders als heute oft in den Rückblicken der Medien dargestellt – nicht nur „Männer mit Bärten“ wie Stephan Hilsberg, Torsten Hilse und Thomas Krüger zu den Gründungsmitgliedern gehört hätten. Gutes Beispiel dafür seien Frauen wie Anne-Kathrin Pauk, die sich bei der Gründungsversammlung der SDP Berlin-Ost als Vertreterin aus Marzahn vor allem für die Anliegen der Frauen, Pressefreiheit und freie Gewerkschaften eingesetzt hatte, anschließend mit deutlicher Mehrheit zur ersten Vorsitzenden gewählt wurde und heute ebenso wie Wolfgang Thierse zur SPD Kollwitzplatz gehört.
In der auf den Film folgenden Podiumsdiskussion erinnerten sich Thomas
Krüger an den Weg zur Gründungsversammlung der SDP in der DDR in Schwante und Wolfgang Thierse an seinen Eintritt in die Partei Anfang 1990 in einer Wohnung in der Winsstraße. Kurz darauf habe er bereits selbst eine weitere Basisgruppe gegründet, weil die Gliederung so schnell gewachsen und man bereits zu groß geworden sei. Lebhaft vor Augen habe er auch noch das von symbolträchtige Wahlplakat mit den verschränkten SED-Händen und dem Spruch „Tschüss!“. Die SPD in Ostdeutschland müsse auch heute ostdeutsche Interessen vertreten, gut vertreten werden könnten diese aber nur gesamtdeutsch! Anne-Kathrin Pauk schilderte die Herausforderung, eine Partei aufzubauen und dabei bei Null anzufangen. Sie bedauere, dass die SPD im Osten heute nicht mehr Mitglieder habe. Man dürfe nicht akzeptieren, dass es z.B. in ihrer Heimat Mecklenburg-Vorpommern Ortschaften gebe, in denen die SPD nicht vertreten sei, wohl aber Rechtsextreme!

 
 

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